Kauf auf Rechnung vs. Klarna vs. TWINT Später bezahlen: BNPL-Vergleich für Schweizer Online-Shops
Buy Now Pay Later (BNPL) ist in der Schweiz kein neues Konzept — der klassische Kauf auf Rechnung ist seit Jahrzehnten die beliebteste Zahlungsart. Neu ist, dass digitale BNPL-Anbieter wie Klarna, TWINT Später bezahlen, CembraPay und POWERPAY die Bonitätsprüfung und das Ausfallrisiko für Händler:innen vollständig übernehmen. Dieser Guide vergleicht die verfügbaren BNPL-Modelle in der Schweiz nach Gebühren, Risikoübernahme, Conversion-Wirkung und Zielgruppen-Fit.
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Buy Now Pay Later (BNPL) ist in der Schweiz kein neues Konzept — der klassische Kauf auf Rechnung ist seit Jahrzehnten die beliebteste Zahlungsart. Neu ist, dass digitale BNPL-Anbieter wie Klarna, TWINT Später bezahlen, CembraPay und POWERPAY die Bonitätsprüfung und das Ausfallrisiko für Händler:innen vollständig übernehmen. Dieser Guide vergleicht die verfügbaren BNPL-Modelle in der Schweiz nach Gebühren, Risikoübernahme, Conversion-Wirkung und Zielgruppen-Fit.
Dieser Guide zeigt Dir, wie sich die BNPL-Anbieter im Schweizer Markt unterscheiden, was sie kosten und welche Kombination für Deinen Shop am sinnvollsten ist.
1. Was «Buy Now, Pay Later» in der Schweiz bedeutet — und welche Varianten es gibt
BNPL bezeichnet jede Zahlungsmethode, bei der Käufer:innen Ware oder Dienstleistungen sofort erhalten und den Kaufbetrag erst später bezahlen — typischerweise innert 14 bis 30 Tagen oder in Raten. Der BNPL-Markt in der Schweiz wächst stark: Für 2026 wird ein Volumen von rund USD 2,89 Milliarden erwartet.
In der Schweiz gibt es drei BNPL-Grundmodelle:
Rechnungskauf mit Risikoübernahme: Käufer:in erhält eine Rechnung mit 14 oder 30 Tagen Zahlungsfrist. Der BNPL-Anbieter übernimmt Bonitätsprüfung und Ausfallrisiko. Beispiele: Klarna (Rechnung), CembraPay, POWERPAY, Ideal Payment.
Ratenzahlung: Kaufbetrag wird in mehrere Teilbeträge aufgeteilt, typischerweise 3, 6 oder 12 Raten. Oft zinsfrei für Käufer:innen. Beispiele: Klarna (Ratenkauf), CembraPay.
Später bezahlen via Wallet: Käufer:in nutzt eine bestehende Wallet-App und wählt die Option «Später bezahlen». Beispiel: TWINT Später bezahlen (betrieben von Swissbilling).
2. Klassischer Rechnungskauf mit Risikoübernahme: CembraPay, POWERPAY, Ideal Payment
Diese Anbieter sind in der Schweiz seit Jahren etabliert und haben den Rechnungskauf digitalisiert, bevor der Begriff BNPL existierte.
CembraPay (Cembra Money Bank) ist einer der grössten Schweizer BNPL-Anbieter. Cembra hat 2023 das BNPL-Geschäft auf 446 Millionen Franken ausgebaut, unter anderem durch die Übernahme von Byjuno. CembraPay bietet Rechnungskauf mit und ohne Teilzahlung, übernimmt die Bonitätsprüfung und garantiert die Zahlung an Händler:innen. Die Konditionen werden individuell vereinbart.
POWERPAY (MF Group AG) bietet ebenfalls Rechnungskauf mit Teilzahlungsoption. POWERPAY übernimmt Bonitätsprüfung, Rechnungsstellung und Inkasso. Besonders verbreitet bei Schweizer Shops im Fashion-, Lifestyle- und Möbelsegment.
Ideal Payment richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen mit niedrigeren Einstiegshürden. Die Konditionen sind individuell vereinbar, und der Integrationsprozess ist vergleichsweise unkompliziert.
Alle drei Anbieter werden bei Payrexx als externe Drittanbieter angebunden. Das bedeutet: Der Vertrag wird direkt mit dem Anbieter geschlossen, die Payouts erfolgen durch den Anbieter.
3. Klarna in der Schweiz: Rechnung, Ratenzahlung und Sofortzahlung im Überblick
Klarna ist seit 2021 in der Schweiz aktiv und bietet drei Zahlungsmodi:
Rechnung (Pay in 30): Käufer:in hat 30 Tage Zeit zur Zahlung. Klarna übernimmt das Ausfallrisiko.
Ratenzahlung (Pay in 3): Kaufbetrag wird in drei zinsfreie Raten aufgeteilt, fällig alle 30 Tage.
Sofortzahlung (Pay Now): Direktüberweisung über Klarna — funktioniert wie eine normale Bankzahlung, aber über die Klarna-App.
Klarna ist über Payrexx Pay Plus direkt verfügbar — ohne separaten Vertrag mit Klarna. Die Gebühren liegen bei 2,40 % + CHF 0.30 (Free/Standard) bzw. 1,60 % + CHF 0.20 (Premium). Klarna ist in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien verfügbar — ein Vorteil für Shops mit internationalem Kund:innen-Stamm.
Stärken: Internationale Markenbekanntheit, Ratenzahlung als Conversion-Treiber bei grossen Warenkörben, Käufer:innen-App mit loyaler Nutzerbasis.
4. TWINT Später bezahlen: Wie das Schweizer BNPL-Produkt funktioniert
TWINT Später bezahlen ist die Schweizer BNPL-Alternative, betrieben von Swissbilling. Käufer:innen wählen an der Kasse TWINT als Zahlungsmethode und können dann entscheiden, ob sie sofort oder später (innert 30 Tagen) bezahlen wollen.
Der grosse Vorteil: Käufer:innen brauchen kein zusätzliches Konto oder eine neue App. TWINT ist auf über 5 Millionen Smartphones in der Schweiz installiert. Die Bonitätsprüfung läuft über Swissbilling im Hintergrund.
Die Gebühren für Händler:innen betragen 2,30 % + CHF 0.30 (Free) bzw. 2,30 % + CHF 0.18 (Standard/Premium). TWINT Später bezahlen ist über Payrexx Pay direkt verfügbar und nur in der Schweiz nutzbar — kein internationaler Einsatz möglich.
Stärken: Höchste Reichweite in der Schweiz dank TWINT-Verbreitung, kein zusätzliches Onboarding für Käufer:innen, nahtlose Integration in den TWINT-Zahlungsfluss.
Einschränkung: Keine Ratenzahlung verfügbar — nur «Jetzt bezahlen» oder «Später bezahlen» (30 Tage).
5. Gebührenvergleich: Was die verschiedenen BNPL-Modelle Händler:innen kosten
Die folgende Tabelle zeigt die Transaktionsgebühren der BNPL-Anbieter, die über Payrexx verfügbar sind:
Anbieter | Free-Plan | Standard-Plan | Premium-Plan | Risikoübernahme |
2,40 % + CHF 0.30 | 2,40 % + CHF 0.30 | 1,60 % + CHF 0.20 | Ja | |
2,30 % + CHF 0.30 | 2,30 % + CHF 0.18 | 2,30 % + CHF 0.18 | Ja (Swissbilling) | |
Individuell | Individuell | Individuell | Ja | |
Individuell | Individuell | Individuell | Ja | |
Zum Vergleich: QR-Rechnung | 0,60 % | 0,50 % | 0,50 % | Nein (Eigenrisiko) |
Rechenbeispiel bei CHF 100 Warenkorb (Standard-Plan): Klarna kostet CHF 2.70 pro Transaktion. TWINT Später bezahlen kostet CHF 2.48. QR-Rechnung kostet CHF 0.50 — allerdings ohne Risikoübernahme. Die Differenz von rund CHF 2.00–2.20 pro Transaktion ist die «Versicherungsprämie» gegen Zahlungsausfälle.
6. Conversion-Effekt: Welches BNPL-Modell bei welcher Zielgruppe am besten funktioniert
BNPL wirkt als Conversion-Hebel, weil Kund:innen die Kaufentscheidung vom Zahlungsmoment entkoppeln können. Die Wirkung ist aber nicht bei allen Zielgruppen gleich:
Jüngere Kund:innen (18–35 Jahre) bevorzugen Klarna und TWINT Später bezahlen. Klarna hat eine hohe Markenbekanntheit in dieser Gruppe, TWINT ist als «Schweizer Lösung» emotional verankert. Ratenzahlung (Klarna) ist besonders attraktiv bei grösseren Anschaffungen.
Ältere Kund:innen (45+) sind stärker an den klassischen Rechnungskauf gewöhnt — CembraPay und POWERPAY treffen den gewohnten Prozess. TWINT Später bezahlen gewinnt in dieser Gruppe zunehmend an Akzeptanz.
Mode, Schuhe und Lifestyle: Höchste BNPL-Affinität. Retourenquoten von 20–40 % machen den Rechnungskauf zur Erwartung, nicht zur Option. Klarna mit Ratenzahlung funktioniert hier besonders gut.
Elektronik und Möbel: Hohe Warenkörbe (CHF 200–2’000). Ratenzahlung wird zum Kaufentscheider. Klarna Pay in 3 oder CembraPay mit Teilzahlung.
Lebensmittel und Alltagsprodukte: Kleine Warenkörbe (CHF 10–50). BNPL-Gebühren fressen die Marge. Hier ist TWINT Später bezahlen (niedrigere Fixgebühr im Standard-Plan) oder die QR-Rechnung wirtschaftlicher.
7. Kombinieren statt wählen: Warum viele Shops mehrere BNPL-Optionen parallel anbieten
Die Frage ist nicht «Klarna oder TWINT Später bezahlen?», sondern «Welche Kombination deckt meine Zielgruppe optimal ab?». Viele Schweizer Shops bieten bereits mehrere Optionen parallel an.
Eine gängige Kombination für Schweizer Shops: TWINT Später bezahlen für Schweizer Kund:innen, die ihre TWINT-App bevorzugen, plus Klarna für internationale Kund:innen und für Kund:innen, die Ratenzahlung wünschen. Ergänzend die QR-Rechnung für B2B-Kund:innen und Stammkund:innen, bei denen das Ausfallrisiko gering ist.
Dabei gilt: Jede BNPL-Methode sollte nur über einen Anbieter aktiv sein. Klarna parallel über Payrexx Pay Plus und als externer Drittanbieter zu betreiben, ist nicht sinnvoll. Die Kundschaft wählt im Checkout die bevorzugte Option — Du als Händler:in konfigurierst das Angebot.
Checkliste: Die richtige BNPL-Lösung für Deinen Schweizer Online-Shop wählen
Analysiere Deine Zielgruppe: Alter, Schweiz vs. international, durchschnittlicher Warenkorb.
Prüfe, ob Ratenzahlung für Deine Warenkörbe relevant ist — ab CHF 100 wird sie zum Conversion-Faktor.
Vergleiche die Gebühren mit Deiner tatsächlichen Ausfallquote: BNPL lohnt sich, wenn die Gebühren niedriger sind als Deine Verluste.
Entscheide, ob Du TWINT Später bezahlen (CH-only) und/oder Klarna (CH + EU) brauchst.
Kläre die Integration: Direkt über Deinen PSP oder als externer Drittanbieter?
Teste die Checkout-Erfahrung: Werden die BNPL-Optionen klar dargestellt, und ist der Entscheidungsprozess für Kund:innen einfach?
Beobachte die Conversion-Raten nach der Aktivierung: Miss den Effekt auf Warenkorbabbrüche und Umsatz.
Häufige Fragen zu Buy Now Pay Later im Schweizer Online-Handel
Was ist der Unterschied zwischen Klarna und TWINT Später bezahlen?
Klarna bietet Rechnungskauf, Ratenzahlung und Sofortzahlung und ist international verfügbar. TWINT Später bezahlen bietet nur Rechnungskauf (30 Tage), funktioniert aber über die bestehende TWINT-App und ist auf die Schweiz beschränkt.
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Was kostet Klarna für Händler:innen in der Schweiz?
Klarna berechnet 2,40 % + CHF 0.30 pro Transaktion (Free/Standard) bzw. 1,60 % + CHF 0.20 (Premium). Diese Gebühren decken die Bonitätsprüfung und die vollständige Risikoübernahme ab.
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Übernimmt TWINT Später bezahlen das Ausfallrisiko?
Ja. TWINT Später bezahlen wird von Swissbilling betrieben, die die Bonitätsprüfung durchführen und das Ausfallrisiko vollständig übernehmen. Du als Händler:in erhältst die Zahlung garantiert.
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Kann ich Klarna und TWINT Später bezahlen gleichzeitig anbieten?
Ja. Beide Methoden können parallel im Checkout aktiv sein. Die Kundschaft wählt selbst, welche Option sie bevorzugt.
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Ist BNPL in der Schweiz reguliert?
Es gibt in der Schweiz aktuell kein BNPL-spezifisches Gesetz. Kurzfristige Rechnungskäufe (bis 30 Tage) fallen nicht unter das Konsumkreditgesetz (KKG). Ratenzahlungen über 3 Monate können jedoch als Konsumkredit gelten.
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Für welche Shops lohnt sich BNPL am meisten?
BNPL lohnt sich besonders für Shops mit mittleren bis grossen Warenkörben (ab CHF 50), hohem Neukund:innen-Anteil und Branchen mit hoher Retourenquote wie Mode, Schuhe und Lifestyle.
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