Zahlungsausfälle beim Rechnungskauf in der Schweiz vermeiden: Bonitätsprüfung, Mahnwesen und Inkasso
Zahlungsausfälle sind das grösste Risiko beim Rechnungskauf — aber sie sind kalkulierbar und vermeidbar. Schweizer Online-Shops haben drei Hebel: Bonitätsprüfung vor dem Kauf (über Auskunfteien wie CRIF oder Intrum), professionelles Mahnwesen nach dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) und die Auslagerung des Risikos an BNPL-Anbieter wie Klarna oder CembraPay. Der richtige Mix aus Prävention und Absicherung hängt von der Ausfallquote, der Warenkorbgrösse und dem Kund:innen-Profil ab.
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Zahlungsausfälle sind das grösste Risiko beim Rechnungskauf — aber sie sind kalkulierbar und vermeidbar. Schweizer Online-Shops haben drei Hebel: Bonitätsprüfung vor dem Kauf (über Auskunfteien wie CRIF oder Intrum), professionelles Mahnwesen nach dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) und die Auslagerung des Risikos an BNPL-Anbieter wie Klarna oder CembraPay. Der richtige Mix aus Prävention und Absicherung hängt von der Ausfallquote, der Warenkorbgrösse und dem Kund:innen-Profil ab.
Dieser Guide zeigt Dir die konkreten Instrumente zur Prävention und Absicherung — von der Echtzeit-Bonitätsprüfung im Checkout bis zum Betreibungsverfahren nach SchKG.
1. Warum Zahlungsausfälle beim Rechnungskauf ein kalkulierbares Risiko sind — nicht ein Grund, darauf zu verzichten
Zahlungsausfälle beim Rechnungskauf liegen in der Schweiz typischerweise zwischen 1 und 5 %, je nach Branche, Kund:innen-Profil und vorhandenen Schutzmechanismen. Das klingt nach wenig, kann aber bei hohen Bestellvolumina erheblich werden.
Rechenbeispiel: Ein Online-Shop mit 1’000 Bestellungen pro Monat à CHF 120 auf Rechnung und einer Ausfallquote von 3 % verliert CHF 3’600 pro Monat — oder CHF 43’200 pro Jahr. Die Frage ist: Ist dieser Betrag höher oder niedriger als die Kosten für Prävention (Bonitätsprüfung) und Absicherung (BNPL-Gebühren)?
Die Antwort ist fast immer: Die Prävention ist günstiger. Eine Bonitätsprüfung über CRIF oder Intrum kostet wenige Rappen pro Abfrage. Die Auslagerung an Klarna kostet 1,60–2,40 % — bei CHF 120 sind das CHF 2.12 bis 3.18 pro Bestellung, also CHF 2’120–3’180 pro Monat für 1’000 Bestellungen. Das ist weniger als die CHF 3’600 Verlust bei 3 % Ausfall.
Rechnungskauf nicht anzubieten ist deshalb selten die richtige Lösung — vielmehr geht es darum, das Risiko professionell zu managen.
2. Bonitätsprüfung vor dem Kauf: Wie CRIF, Intrum und Deltavista funktionieren
Die Bonitätsprüfung ist die erste Verteidigungslinie gegen Zahlungsausfälle. In der Schweiz gibt es vier relevante Wirtschaftsauskunfteien:
CRIF AG: Die grösste Schweizer Auskunftei. CRIF vergibt einen numerischen Score (1 bis 600), der die Zahlungswahrscheinlichkeit abbildet. Datenquellen sind Betreibungsregister, Handelsregister, Inkassodaten und positives Zahlungsverhalten.
Intrum AG: Neben Bonitätsprüfung auch Inkasso-Dienstleistungen. Intrum bietet Plugins für Shopware und Shopify an, die die Bonitätsprüfung direkt im Checkout-Prozess ermöglichen.
Dun & Bradstreet Schweiz AG: Fokussiert auf Firmenbonitäten (B2B). Bietet den D-U-N-S-Score für Unternehmen.
Creditreform: Schweizerischer Verband mit lokalem Netzwerk. Besonders stark im KMU-Bereich.
In der Praxis funktioniert die Echtzeit-Bonitätsprüfung im Checkout so: Wählt eine Kundin «Kauf auf Rechnung», sendet das Shop-System im Hintergrund eine API-Abfrage an die Auskunftei. Innerhalb von Millisekunden kommt ein Score zurück. Liegt der Score über Deinem definierten Schwellenwert, wird die Zahlungsmethode freigegeben. Liegt er darunter, wird die Zahlungsmethode ausgeblendet — die Kundin sieht nur Kreditkarte, TWINT oder andere risikofreie Optionen.
Wichtig: Du darfst Bonitätsdaten in der Schweiz nur mit berechtigtem Interesse und unter Einhaltung des Datenschutzgesetzes (DSG) abfragen. Ein berechtigtes Interesse liegt vor, wenn Du einer Person Ware auf Kredit (also auf Rechnung) lieferst.
3. Mahnwesen richtig aufsetzen: Zahlungserinnerung, 1. Mahnung, 2. Mahnung — Fristen und Formulierung
Wenn trotz Bonitätsprüfung eine Rechnung unbezahlt bleibt, beginnt das Mahnwesen. In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Mahnpflicht — Du könntest direkt nach Fristablauf ein Betreibungsbegehren stellen. In der Praxis empfiehlt sich aber ein gestufter Prozess, der die Kundenbeziehung schont:
Zahlungserinnerung (5–7 Tage nach Fristablauf): Freundlicher Hinweis, dass die Zahlung noch ausstehend ist. Oft reicht das — viele Zahlungsausfälle sind schlicht Vergesslichkeit. Keine Mahngebühr.
Erste Mahnung (14 Tage nach Fristablauf): Formeller Ton, neue Zahlungsfrist von 10 Tagen. Mahngebühr von CHF 10–20 ist branchenüblich — muss aber in den AGB verankert sein.
Zweite Mahnung (24 Tage nach Fristablauf): Letzte Mahnung mit Androhung der Betreibung. Neue Zahlungsfrist von 10 Tagen. Mahngebühr von CHF 20–30.
Automatisierung ist hier entscheidend: Moderne E-Commerce-Systeme und Buchhaltungstools (Bexio, Abacus, Run my Accounts) können den Mahnprozess vollständig automatisieren — inklusive E-Mail-Versand mit Zahlungserinnerungen und neuen QR-Rechnungen.
4. Vom Mahnwesen zur Betreibung: Wie das SchKG-Verfahren in der Schweiz abläuft
Wenn alle Mahnungen erfolglos bleiben, ist das Betreibungsverfahren nach dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) der nächste Schritt. Der Ablauf:
Betreibungsbegehren (Art. 67 SchKG): Du stellst beim Betreibungsamt am Wohnsitz des Schuldners ein Betreibungsbegehren — schriftlich, mündlich oder online. Kosten: CHF 7–400, abhängig von der Forderungshöhe. Du musst die Kosten vorschiessen.
Zahlungsbefehl (Art. 69 SchKG): Das Betreibungsamt stellt dem Schuldner einen Zahlungsbefehl zu — mit Aufforderung, innert 20 Tagen zu bezahlen, und der Mitteilung, dass innert 10 Tagen Rechtsvorschlag erhoben werden kann.
Rechtsvorschlag (Art. 74 SchKG): Erhebt der Schuldner Rechtsvorschlag, muss Du als Gläubiger:in die Forderung gerichtlich durchsetzen. Bei einem schriftlichen Vertrag oder einer unterschriebenen Bestellbestätigung kannst Du provisorische Rechtsöffnung beantragen (Art. 82 SchKG).
Fortsetzungsbegehren: Wird kein Rechtsvorschlag erhoben, kannst Du frühestens 20 Tage nach Zustellung des Zahlungsbefehls das Fortsetzungsbegehren stellen.
Für Online-Shops mit vielen kleinen Forderungen (CHF 20–200) ist das Betreibungsverfahren oft unverhältnismässig aufwändig. In diesen Fällen ist die Auslagerung an ein Inkassobüro oder die Nutzung von BNPL mit Risikoübernahme wirtschaftlicher.
5. Risikoübernahme durch Dritte: Wann sich ein BNPL-Anbieter mit Zahlungsgarantie lohnt
BNPL-Anbieter wie Klarna, CembraPay, POWERPAY und TWINT Später bezahlen übernehmen das Ausfallrisiko vollständig. Du erhältst den Betrag garantiert — unabhängig davon, ob die Kundschaft am Ende bezahlt. Die Frage ist: Wann lohnt sich das?
Dimension | Eigenrisiko (QR-Rechnung) | Inkassobüro | BNPL mit Risikoübernahme |
Kosten pro Transaktion | 0,50–0,60 % | Erfolgsbasiert (10–25 %) | 1,60–2,40 % + Fix |
Kosten bei Ausfall | Voller Forderungsverlust | Reduzierter Verlust | CHF 0 (Anbieter trägt Risiko) |
Mahnwesen | Selbst / automatisiert | Ausgelagert | Komplett beim Anbieter |
Bonitätsprüfung | Optional (CRIF/Intrum) | Keine (erst nach Ausfall) | Echtzeit im Checkout |
Aufwand Händler:in | Hoch (Mahnwesen, Betreibung) | Mittel (Übergabe an Büro) | Minimal |
Kund:innen-Erlebnis | Neutral | Negativ (Inkassokontakt) | Positiv (reibungslos) |
Faustregel: BNPL mit Risikoübernahme lohnt sich, wenn Deine Ausfallquote höher ist als die BNPL-Gebühr. Bei einer Ausfallquote von 3 % und einer BNPL-Gebühr von 2,40 % sparst Du mit BNPL effektiv 0,60 % pro Transaktion — und den gesamten Aufwand für Mahnwesen und Inkasso.
6. Eigenregie vs. Auslagerung: Kosten-Nutzen-Rechnung für Schweizer KMU
Die Entscheidung zwischen Eigenrisiko und Auslagerung hängt von drei Faktoren ab:
Bestellvolumen: Bei weniger als 50 Rechnungskauf-Bestellungen pro Monat ist der administrative Aufwand für eigenes Mahnwesen überschaubar. Ab 200 Bestellungen pro Monat wird die Auslagerung fast immer wirtschaftlicher.
Ausfallquote: Unter 1 % Ausfall ist Eigenrisiko mit QR-Rechnung günstiger. Ab 2–3 % Ausfall übersteigen die Verluste die BNPL-Gebühren. Ab 5 % Ausfall ist BNPL mit Risikoübernahme zwingend empfehlenswert.
Warenkorbgrösse: Bei grossen Warenkörben (über CHF 500) wiegt jeder Ausfall schwer. Selbst bei niedriger Ausfallquote können einzelne unbezahlte Bestellungen das Monatsresultat kippen. Hier ist die Absicherung über BNPL oder eine Bonitätsprüfung besonders wichtig.
Ein pragmatischer Ansatz für Schweizer KMU: QR-Rechnung mit Bonitätsprüfung (CRIF/Intrum) für Stammkund:innen und B2B-Kund:innen, ergänzt durch Klarna oder TWINT Später bezahlen für Neukund:innen und risikoreiche Segmente.
7. Prävention im Checkout: Bestelllimits, Adressvalidierung und Betrugserkennung
Neben Bonitätsprüfung und BNPL gibt es weitere präventive Massnahmen, die Zahlungsausfälle reduzieren:
Bestelllimits für Neukund:innen: Begrenze den maximalen Rechnungskauf-Betrag für Erstkäufer:innen — zum Beispiel auf CHF 100. Nach der ersten erfolgreichen Zahlung kann das Limit erhöht werden.
Adressvalidierung: Prüfe, ob Liefer- und Rechnungsadresse übereinstimmen. Abweichungen sind ein Risikosignal. Die Schweizerische Post bietet eine API zur Adressvalidierung an.
Velocity Checks: Erkennung auffälliger Bestellmuster — zum Beispiel mehrere Bestellungen auf Rechnung innerhalb kurzer Zeit von derselben Adresse oder IP.
Nur verifizierte Zahlungsmethoden für Rechnungskauf: Mache Kauf auf Rechnung nur für Kund:innen mit verifiziertem Konto und geprüfter Adresse verfügbar. Gast-Bestellungen erhalten nur risikofreie Zahlungsarten wie Kreditkarte oder TWINT.
Offene Forderungen begrenzen: Erlaube keine neue Rechnungskauf-Bestellung, solange eine vorherige Rechnung noch offen ist.
Checkliste: Zahlungsausfälle beim Rechnungskauf systematisch minimieren
Berechne Deine aktuelle Ausfallquote: Wie viel Prozent der Rechnungskauf-Bestellungen werden nicht bezahlt?
Vergleiche die Ausfallkosten mit den BNPL-Gebühren: Ab wann lohnt sich die Risikoübernahme?
Implementiere eine Echtzeit-Bonitätsprüfung im Checkout (CRIF oder Intrum), um risikoreiche Transaktionen zu filtern.
Richte ein automatisches Mahnwesen ein: Zahlungserinnerung → 1. Mahnung → 2. Mahnung → Inkasso/Betreibung.
Setze Bestelllimits für Neukund:innen beim Rechnungskauf.
Prüfe Liefer- und Rechnungsadressen auf Plausibilität.
Kombiniere Eigenrisiko (QR-Rechnung für Stammkund:innen) mit BNPL (für Neukund:innen).
Dokumentiere Deine AGB: Mahngebühren, Verzugszinsen und Betreibungsandrohung müssen in den AGB verankert sein.
Häufige Fragen zu Zahlungsausfällen beim Rechnungskauf in der Schweiz
Wie hoch sind Zahlungsausfälle beim Rechnungskauf in der Schweiz typischerweise?
Die Ausfallquote liegt in der Schweiz typischerweise zwischen 1 und 5 %, abhängig von Branche, Warenkorbgrösse und vorhandenen Schutzmechanismen wie Bonitätsprüfung.
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Was ist eine Bonitätsprüfung und wie funktioniert sie im Online-Shop?
Eine Bonitätsprüfung ist die automatische Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Käufer:innen im Checkout. Auskunfteien wie CRIF oder Intrum liefern innert Millisekunden einen Score, anhand dessen entschieden wird, ob Kauf auf Rechnung angeboten wird.
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Wie läuft ein Betreibungsverfahren in der Schweiz ab?
Du stellst ein Betreibungsbegehren beim Betreibungsamt am Wohnsitz des Schuldners (Art. 67 SchKG). Das Amt stellt einen Zahlungsbefehl zu. Der Schuldner hat 10 Tage für einen Rechtsvorschlag, danach kannst Du das Fortsetzungsbegehren stellen.
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Lohnt sich ein Inkassobüro oder lieber BNPL mit Risikoübernahme?
BNPL ist in den meisten Fällen wirtschaftlicher, weil es das Problem präventiv löst statt reaktiv. Ein Inkassobüro kommt erst nach dem Ausfall zum Einsatz und erhält 10–25 % der eingetriebenen Summe.
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Welche Rechte habe ich als Händler:in bei unbezahlten Rechnungen?
Du kannst nach Fristablauf ein Betreibungsverfahren einleiten (Art. 67 ff. SchKG). Mahngebühren und Verzugszinsen kannst Du verlangen, sofern sie in den AGB oder im Vertrag verankert sind.
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Kann ich Kauf auf Rechnung nur für bestimmte Kund:innen anbieten?
Ja. Du kannst Kauf auf Rechnung im Checkout nur für verifizierte Kund:innen, ab einem bestimmten Bestellwert oder nach bestandener Bonitätsprüfung freischalten — und für Neukund:innen oder Gast-Bestellungen ausblenden.
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